„Das Galileum ist eine Sonderaufgabe für alle Beteiligten“ – Interview mit dem bauleitenden Architekten Ulrich Schlüter

Interview mit dem bauleitenden Architekten Ulrich Schlüter .

Solingen, 04.10.2018 Der Kölner Architekt Ulrich Schlüter hat im August die Bauleitung für das Galileum Solingen übernommen. Übertragen auf ein Fußballspiel könnte man sagen, er ist in der 88. Minute mit frischem Mut aufs Spielfeld gekommen. Die preisgekrönten Pläne für das Galileum hat ein anderes Architekturbüro erstellt, der Rohbau war zum Zeitpunkt des „Spielerwechsels“ bereits fertig. Im Interview erläutert Ulrich Schlüter Hintergründe zu seiner Arbeit für das Galileum.

Herr Schlüter, Sie haben im Sommer die Bauleitung für das Galileum Solingen übernommen. Was macht das Galileum für Sie zu einem spannenden Projekt?
Ulrich Schlüter: Schon bevor ich die Bauleitung übernommen habe, habe ich vom Galileum Solingen gehört und fand das Projekt wahnsinnig spannend. Ein Planetarium in einem ehemaligen Kugelgasbehälter, das gibt es wirklich nur ein Mal auf dieser Welt! Als der Wunsch an mich herangetragen wurde, die Bauleitung zu übernehmen, dachte ich „Das passt gut!“ und es war für mich sofort klar, dass ich dieses großartige Projekt mit dem Team der Walter-Horn-Gesellschaft zur Fertigstellung bringen will. Das spannende ist, dass das Galileum eine Sonderaufgabe ist, und zwar für alle, die daran beteiligt sind. Für mich ist es aus architektonischer Sicht ein Sonderbau, gerade in der technischen Ausarbeitung. Beim Galileum Solingen geht es nicht darum, 500 nahezu gleiche Wohnungen in einem Wohnblock zu planen; dieses Projekt bedarf der besonderen Betrachtung und genau das macht mir und meinen Kollegen im Architekturbüro so viel Spaß. Wir beschäftigen uns intensiv mit diesem besonderen Bauvorhaben und kümmern uns um jedes Detail.

Sie haben als Architekt die Bauleitung übernommen, die Pläne gab es schon vorher. Ist das üblich?
Ulrich Schlüter: Alltäglich ist ein Wechsel des Architekturbüros in dieser Bauphase wirklich nicht, kommt aber durchaus vor. In diesen Tagen sind viele Büros sehr stark ausgelastet. Gerade wenn das Kerngeschäft auf Entwurf und Planung liegt, ist es üblich, dass die Bauleitung durch andere erfolgt. Sicherlich hat man als Architekt den Anspruch, ein Projekt von A bis Z, vom ersten Bleistiftstrich bis zur Eröffnung umzusetzen, eben weil man seine Gedanken in Beton gießen möchte. Gleichzeitig ist das Spektrum meines Berufs so umfangreich, dass man durchaus seine Steckenpferde hat und zu meinen zählt eben die Bauleitung gerade auch von besonderen Bauten wie dem Galileum.

Haben Sie trotzdem die Möglichkeit, dem Projekt mit kleinen aber wirkungsvollen Ihren Stempel als Architekt aufzudrücken?
Ulrich Schlüter: Nein, das ist absolut nicht mein Anspruch. Der Entwurf für das Galileum Solingen kommt von mvm+starke architekten und mein Ziel ist es, diesen Entwurf in deren Geiste und Sinne umzusetzen. Das bedeutet ganz klar: Ich setze Details jetzt pragmatisch um und pfusche absolut nicht in den Entwurf rein. Der Anspruch an meine Arbeit ist es, den Bau fertigzustellen – schnell und zügig. Und damit auf eine großartige Eröffnung am 5. Juli 2019 zuzusteuern.

Wo liegen die besonderen Herausforderungen?
Ulrich Schlüter: Das Galileum ist technisch sehr anspruchsvoll. Auf den ersten Blick mag das Hauptgebäude ein „einfacher“ Büroturm sein, die Herausforderung besteht ganz klar in der Anbindung an den bestehenden Kugelgasbehälter, der das Planetarium beheimaten wird. Dazu kommt natürlich auch noch der Innenausbau des Stahlbehältnisses, dabei begegnen einem einfach Aufgabenstellungen, die man vorher noch nie hatte. Da gehen die Fachingenieure mit mir ganz neue Wege, was man auch daran merkt, dass sich die Bauordnung gar nicht auf alle Details anwenden lässt und man diese entsprechend kreativ auslegen, quer denken muss.

Die Eröffnung ist für Sommer 2019 geplant. Ist das sportlich oder Routine?
Ulrich Schlüter: Das sportliche am Galileum ist für mich, den Übergang der Bauleitung auf meine Person so unaufgeregt wie möglich über die Bühne zu bekommen – und ich denke, das ist mir bis jetzt sehr gut gelungen. Mittlerweile habe ich mich intensiv eingearbeitet und stehe in engem Austausch mit allen Gewerken, bin nahezu täglich auf der Baustelle anzutreffen. Die Arbeit mit den Menschen vor Ort macht großen Spaß und man merkt den Einzelnen an, dass auch sie stolz sind, an einem so außergewöhnlichen Projekt mitzuwirken. Gemeinsam arbeiten wir auf die offizielle Eröffnung Anfang Juli hin. Bis dahin heißt es jetzt: Wie ein Dirigent sorge ich dafür, dass das Orchester immer im richtigen Takt bleibt – dass alle Gewerke konzentriert und zügig aufeinander folgen und wo möglich parallel arbeiten.

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Pressekontakt

Walter- Horn-Gesellschaft e.V.
c/o Galileum Solingen
Walter-Horn-Weg 1, 42697 Solingen
Dr. Frank Lungenstraß
Tel.: 0212 – 23 24 25

Was ist das Galileum Solingen?

Das Galileum Solingen wurde am 5. Juli 2019 im stillgelegten Kugelgasbehälter in Solingen-Ohligs als interaktive Erlebniswelt aus Planetarium und Sternwarte eröffnet.

Im Planetarium wird der Sternenhimmel unabhängig von Tageszeit, Wetter und allen Umweltbedingungen live in die Kuppel projiziert, in der Sternwarte können kleine und große Besucher in klaren Nächten den Sternenhimmel erkunden.

Die Gesamtkosten für den Bau und die Technik des Galileum Solingen betragen mehr als 8,5 Millionen Euro. Der Großteil davon, nämlich knapp 5 Millionen Euro, wurde durch Städtebauförderungsmittel des Landes NRW finanziert. Einen großen Teil bestreitet die Walter-Horn-Gesellschaft e. V. aus Spenden und Einnahmen aus Sponsoring-Maßnahmen.